Freie Uni

Im Sommersemester bietet der Alternative Kultur e.V. wieder eine Reihe interessanter Vorträge im Rahmen der Freien Uni an:

Freitag, den 14.06 Antisemitismus und Männlichkeit in Burschenschaften

Nach wie vor ist der Männerbund, vor allem der schlagenden Burschenschaft, durch Elitedenken, Korpsgeist, die Abwertung des Weiblichen, Rassismus, Autoritätsgläubigkeit und Antisemitismus geprägt. Historisch gesehen spielte die Ideologie der Studentenverbindung, die ihre einst demokratischen und freiheitlichen Wurzeln bereits zum Wartburgfest 1817 den gleichen Flammen übergaben, denen man damals schon die Werke jüdischer Schriftsteller_innen übergab, eine maßgebliche Rolle bei der Entwicklung des modernen deutschen Nationalstaates, und damit einhergehend der ihm innewohnenden antisemitischen Ideologie, als auch einer spezifisch deutschen Vorstellung von Geschlechtlichkeit. Die Referentin analysiert in ihrem Vortrag die historische Entstehung von Burschenschaften, setzt sich auf sozialpsychologische Art und Weise mit dem Männerbund und der ihm inhärenten Ablehnung des Weiblichen auseinander und erläutert, wieso das Bild einer spezifisch deutschen Männlichkeit als solches von Grund auf antisemitisch konnotiert ist.

Mittwoch, den 19.06 Deutsche Kolonialgeschichte in Namibia

Aus der internationalen Perspektive wird die Erinnerungskultur und der Umgang mit Geschichte in Deutschland oft als „mustergültig“ gesehen. Dies gilt jedoch nicht für eine kritische Reflexion und die Verantwortungsübernahme für die koloniale Vergangenheit. Seit einigen Jahren mehren sich jedoch die Stimmen von kritischen Aktivist*inen und postkolonialen Wissenschaftler*innen: „Nicht vergeben, nicht vergessen“ – das fordern insbesondere Gruppen der Herero und Nama aus Namibia; eine Forderung die angesichts des 115. Jahrestags des deutschen Genozids im heutigen Namibia politisch und öffentlich diskutiert werden muss.

Mittwoch, den 03.07 – Revolution in Deutschland 1918-1923 (Daniel Kulla)

Die Novemberrevolution 1918 hat es gerade so ins landläufige Geschichtsbild geschafft, zumindest unter Linken geht sie noch bis Januar 1919 weiter. Der Höhepunkt der revolutionären Bewegung im Februar und März 1919 ist hingegen unter den diversen historischen Siegererzählungen fast verschwunden, was auch die Rückschau auf die weiteren Massenstreiks, Sozialisierungen und Erhebungen bis 1923 sowie die Folgegeschichte prägt. (Nazis redeten nicht gern genauer darüber, wen sie da zusammengeschossen hatten und für wen; die SPD redete gar nicht gern darüber, auf wen sie die ersten Nazis so alles hat schießen lassen; die KPD redete nicht ganz so gern darüber, auf wen geschossen wurde, wenn es nicht ihre Leute waren oder sich zumindest als solche reklamieren ließen.) So ist das wichtigste revolutionäre Vorbild in der deutschen Geschichte genau deshalb fast vergessen, weil es in so hohem Maß selbst organisiert war und damit nicht in die übliche nationale wie anti-nationale Vorstellung vom Deutschen passt, sich weder für Vereinnahmung noch als Schreckbild anbietet. Gleichermaßen in Vergessenheit geraten sind die Konsequenzen: Sowohl der Aufstieg des Nationalsozialismus als auch sein konkretes Erscheinungsbild – mehr als bei jedem anderen Faschismus eine Verkleidung als Arbeitskräfterevolution – erscheinen ohne diese Vorgeschichte kaum begreiflich. Kulla schlägt vor, die kommenden fünf Jahre der revolutionären 100. Jahrestage ab November 2018 dazu zu nutzen, diese Geschichte so sichtbar wie möglich zu machen. Daniel Kulla ist Autor und Journalist aus Thale und veröffentlichte unter anderem Bücher über Verschwörungsideologien, Rausch, Egotronic und Arbeitskämpfe und bloggt unter classless.org.

Alle Vorträge werden gefördert aus Mitteln des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie in der Stadt Coburg.

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